Die Initiative «200 Franken sind genug!» kommt in einem sympathischen Gewand daher: Wer möchte nicht weniger Gebühren zahlen? Doch hinter der glänzenden Fassade des Sparversprechens verbirgt sich ein gefährlicher Angriff auf das Rückgrat unserer Medienlandschaft. Wenn wir der SRG die Mittel massiv entziehen, kürzen wir nicht etwa nur bei der Unterhaltung, sondern wir amputieren die regionale Information, die kulturelle Vielfalt und – was oft vergessen geht – den Bildungsauftrag.
Bildung ist bei der SRG kein freiwilliger «Zusatz», den man nach Gutdünken streichen kann. Er ist ein Kernauftrag der Konzession. Von fundierten Dokumentationen bis hin zu pädagogisch aufbereiteten Hintergründen leistet die SRG einen unverzichtbaren Beitrag zur lebenslangen Bildung unserer Gesellschaft. Besonders in Zeiten von Desinformation und gezielten Fake-News-Kampagnen ist eine verlässliche Informationsquelle essenziell. Die Halbierungsinitiative schwächt die Faktenbasis unserer Demokratie und gefährdet damit direkt unsere Sicherheit, unseren Wohlstand und unsere Freiheit. Eine Gesellschaft, die nicht mehr auf derselben Faktenbasis diskutieren kann, verliert ihren inneren Zusammenhalt.
Besonders für uns im Kanton Bern steht viel auf dem Spiel. Bern ist nicht nur das politische Herz der Schweiz, sondern auch ein massgeblicher Medienstandort. Eine Annahme der Initiative würde das Radiostudio in Bern und das Regionaljournal Bern Freiburg Wallis existenziell gefährden. Wer berichtet dann noch fundiert über die Berner Grossratspolitik oder die lokalen Besonderheiten im Oberland und im Seeland? Private Medien, die bereits heute unter massivem Spardruck stehen, werden diese Lücke nicht schliessen können.
Es geht am 8. März nicht um ein paar gesparte Franken im Portemonnaie, sondern um die Frage, ob wir uns ein verlässliches, gemeinsames Fundament leisten wollen. Ein Ja zu dieser Initiative wäre ein Nein zu unserer medialen Identität und zu unserer demokratischen Sicherheit – ein herber Verlust für den Medienplatz Bern und die gesamte Schweiz.
Leserbrief zur SRG-Initiative (Halbierungsinitiative) Abstimmung vom 8. März 2026
