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Nebelkerzen in der Klimadebatte: Warum die Diskussion um das «Szenario RCP8.5» am Ziel vorbeischiesst

Wer in diesen Tagen die Kommentarspalten und Zeitungsartikel öffnet, reibt sich verwundert die Augen. Anstatt dass wir darüber sprechen, welche konkreten Massnahmen wir zur Eindämmung des #Klimawandels brauchen oder welche Schweizer Best Practices bereits erfolgreich funktionieren, dominiert ein anderes Narrativ: Genüsslich wird über das vermeintliche «Versagen» der #Klimaforschung gelästert.

Auslöser dieser medialen Scheindiskussion ist die Streichung eines bestimmten #Klimaszenarios (bekannt als «RCP8.5») in der internationalen Forschung. Doch wer jetzt den Untergang der Klimawissenschaft herbeiredet, betreibt bewusste Ablenkung – und offenbart ein grundlegendes Unverständnis darüber, wie Klimaforschung überhaupt funktioniert.

Exkurs: Szenario vs. Prognose – Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied

Dass das Szenario RCP8.5 nun gestrichen bzw. angepasst wird, stellt den Klimawandel nicht im Geringsten infrage. Um zu verstehen, warum das so ist, muss man den Unterschied zwischen einer Prognose und einem Szenario kennen:

  • 🔮 Eine Prognose ist eine konkrete Vorhersage. Sie sagt: «Das wird am Tag X passieren.» (Wie der Wetterbericht für morgen).

  • 🎬 Ein Szenario ist ein «Was-wäre-wenn»-Drehbuch. Es beschreibt eine denkbare Entwicklung basierend auf Annahmen. Ein Szenario sagt: «Wenn die Menschheit sich so verhält, dann passiert jenes.»

Das gestrichene Szenario RCP8.5 war das sogenannte «Worst-Case-Szenario» (oft als Business-as-usual fehlinterpretiert). Es ging von der Annahme aus, dass wir weltweit massiv mehr Kohle verbrennen und kaum Klimaschutz betreiben.

Warum fällt es weg? Weil die Welt sich weiterentwickelt hat! Dank des globalen Ausbaus von Solar- und Windenergie sowie erster Klimaschutzmassnahmen ist dieses extreme Albtraum-Szenario schlicht unwahrscheinlich geworden. Die Streichung von RCP8.5 ist also kein «Fehler» der Wissenschaft, sondern das Resultat davon, dass unsere realen Emissionen (zum Glück) nicht mehr ganz so katastrophal ansteigen wie vor Jahren befürchtet. Es ist ein Update an die Realität – und genau das macht seriöse Wissenschaft aus.

Worum geht es eigentlich? Der wissenschaftliche Konsens steht felsenfest

Der Kern der Klimaforschung hat sich durch die Anpassung dieser mathematischen Modelle nicht um einen Millimeter verschoben. Die Faktenlage ist und bleibt eindeutig:

  • Eine globale #Erwärmung von mehr als 2 Grad führt zu gefährlichen und unumkehrbaren Folgen für Mensch und Umwelt.

  • Eine Beschränkung auf 1,5 Grad ist der deutlich sicherere Pfad.

Darüber herrscht ein breiter Konsens in der Wissenschaft und der Politik. Genau dieses Fundament führte zum historischen Abschluss des #Klimaabkommens von Paris. An dieser fundamentalen Wahrheit ändert auch der Wegfall des Extrem-Szenarios absolut gar nichts.

Die Realität: Wir tun immer noch zu wenig

Die hitzige Debatte um wissenschaftliche Feinjustierungen lenkt von der harten Realität ab: Wir sind nach wie vor nicht auf dem Zielpfad des Pariser Abkommens – weder global noch in der Schweiz.

Nur weil der absolute, schlimmste Abgrund (RCP8.5) unwahrscheinlicher geworden ist, bedeutet das keineswegs Entwarnung. Mit den aktuell weltweit beschlossenen Massnahmen steuern wir immer noch sehenden Auges auf eine Erwärmung von rund 3 Grad zu. Das liegt massiv über den sicheren Zielwerten und wird immense wirtschaftliche und gesellschaftliche Schäden nach sich ziehen.

Anstatt mit theoretischen Scheindebatten Verunsicherung zu stiften und von effektiven Massnahmen abzulenken, sollten wir uns lieber auf das Wesentliche besinnen:

  • 🧑‍🔬 Am Konsens in der Klimaforschung hat sich nichts geändert. Die Wissenschaft ist sich einig wie eh und je.

  • ⏱️ An der Dringlichkeit des Handelns hat sich nichts geändert. Uns läuft die Zeit davon.

  • An den notwendigen Massnahmen hat sich nichts geändert. Wir wissen genau, was zu tun ist.

Fokus auf die Zukunft: Klimaschutz als Wettbewerbsvorteil

Wir können es uns nicht leisten, wertvolle Zeit mit medialen Nebenschauplätzen zu verlieren. Umso mehr gilt: Wir müssen uns weiterhin mit aller Kraft dafür einsetzen, die richtigen Rahmenbedingungen für eine klimataugliche Wirtschaft zu schaffen.

Nur so erreichen wir die #Klimaziele der Schweiz und sorgen gleichzeitig dafür, dass der Wirtschaftsstandort Schweiz langfristig innovativ und wettbewerbsfähig bleibt. Packen wir also die echten Aufgaben an, anstatt Scheingefechte zu führen.